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Dienstag, 23. April 2019

Schiller vs. Kant oder Souveränität vs. Kontrolle

Kant und Schiller - Menschenbilder formen Gesellschaften

Es ist heute unschwer zu erkennen, wo hinein die Konvergenz von gesetzlich sanktioniertem Eingriff in die Privatsphäre und dem massivem Ausbau der Überwachungstechnologien münden wird! Aber welche treibende Kraft steckt hinter dieser beängstigenden, scheinbar unaufhaltbaren Entwicklung? Es ist letztlich das negative Menschenbild,  das paradoxerweise derselbe Aufklärer Immanuel Kant vertrat, der auch den "Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit" forderte. 

Das chinesische Sozialkreditsystem
Jeder einzelne sollte sich fragen, welches Menschenbild er vertritt: von Grund auf gut oder böse? Entsprechend formt sich der Staat! Derzeit wird das Kantsche Szenario "zementiert": Was technisch machbar ist, wird heute  umgesetzt: Sämtliches Verhalten von Einzelpersonen in ihren Wohungen oder außerhalb kann in Zukunft durch sog. "Intelligente Zähler" vollautomatisch protokolliert werden. Der bereits gestarte Aufbau der 5G-Technologie wird die Funkzellengröße dramatisch reduzieren, sodass auch RFID-Überwachung möglich wird, bzw. durch das Internet der Dinge wirklich alle unbeweglichen und beweglichen Objekte erfasst werden. Der Mensch ist in diesem technokratischen Szenario nur noch eine "Ressource", bzw. eher ein "Störfaktor", der verwaltet und optimiert werden muss. 

 "Na und?" fragt sich das moderne Schlafschaf, "ich haben doch nichts zu verbergen? Wir leben doch in einer Demokratie mit Menschenrechten?" Träum weiter! Der "große Diktator" ist kein Mensch! Die Rede ist vom vollautomatischen Social Credit Score-System (SC), wie es in China letztes Jahr eingeführt wurde. Wer sich daneben benimmt (z.B. mit dem Auto zum Einkaufen fährt, statt mit dem Fahrrad oder sonst wie CO² unnötig produziert), bekommt Punkteabzug; wer gehorcht (regelmäßig seine Eltern besucht, weniger oft in den Urlaub jettet), wird vom System mit Punkten belohnt. Aufgrunddessen sollen Chinesen schon 17 Millionen Flüge verweigert worden sein. Mobilität wird immer weiter eingeschränkt. Dazu Zitat Angela Merkel: "In 20 Jahren wird man nur noch mit Sondergenehmigung selbständig Auto fahren dürfen." Dazu kommt natürlich der bargeldlose Zahlungsverkehr, der alle gekauften und verkauften Gegenstände protokolliert, einschließlich Ort, Zeit und Transaktionspartner. 

Zwischen intelligentem Stadt-Management und Totalüberwachung ist es nur ein Klick.
„Wer es wagt, in den sozialen Medien ständig über die Missstände im Land zu schimpfen, bekommt Punkte abgezogen. Wang spricht vom 'kommunistischen Musterbürger', den die chinesische Führung auf diese Weise schaffen wolle. Zugleich bedeute das 'die totale Kontrolle'.“
Felix Lee: Die AAA-Bürger
 Alles konvergiert in einem vollautomatischen, lückenlosen Überwachungsystem von noch nie gekannten, globalen Ausmaßen. Gegen diese historisch einmalige Art der Totalüberwachung à la Orwell 2.0 war der Stasi-Staat der DDR ein Kindergeburtstag. Und um diesen Alptraum noch "kompetitiver" und "dynamischer" zu gestalten, haben sich die Planer weitere Nettigkeiten einfallen lassen, wie z.B. Punkteabzug für Kontakt oder Nähe zu Menschen mit niedrigem Scoring. Das würde sogar Familien spalten und die Atomisierung der Gesellschaft auf die Spitze treiben: jeder gegen jeden!

Diese Entwicklung ist aber kein Naturgesetz, sondern dahinter steckt ein ganz bestimmtes Menschen- und Staatsbild, wie es bereits der Aufklärer Immanuel Kant mit beängstigender Prophetie skizzierte. Für Kant ist der Mensch eine Art Bestie "mit böser Gesinnung", wie auch aus seinem Entwurf des "Ewigen Friedens" erkennbar wird.

"01... Nun ist die republikanische 02 Verfassung die einzige, welche dem Recht der Menschen vollkommen angemessen, 03 aber auch die schwerste zu stiften, vielmehr noch zu erhalten ist, dermaßen 04 daß viele behaupten, es müsse ein Staat von Engeln sein, weil 05 Menschen mit ihren selbstsüchtigen Neigungen einer Verfassung von so 06 sublimer Form nicht fähig wären. Aber nun kommt die Natur dem verehrten, 07 aber zur Praxis ohnmächtigen allgemeinen, in der Vernunft gegründeten 08 Willen und zwar gerade durch jene selbstsüchtige Neigungen zu 09 Hülfe, so daß es nur auf eine gute Organisation des Staats ankommt 10 (die allerdings im Vermögen der Menschen ist), jener ihre Kräfte so gegen 11 einander zu richten, daß eine die anderen in ihrer zerstörenden Wirkung 12 aufhält, oder diese aufhebt: so daß der Erfolg für die Vernunft so ausfällt, 13 als wenn beide gar nicht da wären, und so der Mensch, wenn gleich nicht 14 ein moralisch=guter Mensch, dennoch ein guter Bürger zu sein gezwungen 15 wird. Das Problem der Staatserrichtung ist, so hart wie es auch klingt, 16 selbst für ein Volk von Teufeln (wenn sie nur Verstand haben) auflösbar 17 und lautet so: "Eine Menge von vernünftigen Wesen, die insgesammt allgemeine 18 Gesetze für ihre Erhaltung verlangen, deren jedes aber insgeheim 19 sich davon auszunehmen geneigt ist, so zu ordnen und ihre Verfassung einzurichten, 20 daß, obgleich sie in ihren Privatgesinnungen einander entgegen 21 streben, diese einander doch so aufhalten, daß in ihrem öffentlichen Verhalten 22 der Erfolg eben derselbe ist, als ob sie keine solche böse Gesinnungen 23 hätten."
- Kant: AA VIII, Zum ewigen Frieden. Ein ... , Seite 366
Träumt Kant hier von einer "harten" Staatserrichtung in Form eines Superstaates? Kants oft unnötig geschraubt-überladener Satzbau lädt geradezu zu Missverständnissen ein. In Diskussionen zum vorstehenden Artikel in diversen Facebook-Gruppen wurde (u.a. vom "Kant-Kenner" Dr. phil. Zorn) zu Kants Entlastung versucht, das Personalpronomen "es" (im Nebensatz "so hart es auch klingt") nicht auf die adverbiale Präpositionalphrase (adv PP) "selbst für ein Volk von Teufeln ... auflösbar", sondern auf das Subjekt (das Problem) im Sinne von "schwer" zu beziehen, bzw. das Adjektiv "hart" im Sinne von "kaum" auf das glaubende positive Ergebnis der Lösung


Diese Interpretationsvarianten ergeben jedoch weder syntaktisch, noch semantisch Sinn. Warum sollte Kant eine solch positive Wirkung als "hart" bezeichnen wollen, statt eher als "erstaunlich" oder "wundersam"? Die Formulierung der Problemlösung "klingt" nicht, sondern "lautet (so):". Der Nebensatz "so hart wie es auch klingt" muss sich logischerweise auf die vorausgehende adv PP beziehen. Man kann den Nebensatz auch nicht auf die Natur des Problems beziehen, denn erstens beschreibt Kant das Problem weiter oben bereits als einfach lösbar: es käme "nur auf eine gute Organisation des Staats an". Zweitens wäre "hart" im deutschen Sprachgebrauch eine ungebräuchliche Attribuierung eines Problems, das normal eher als "schwer", bzw. "groß" oder "ernst" bezeichnet wird (es gibt ja auch umgekehrt kein "weiches", sondern nur ein "leichtes" Problem). Drittens "klingt" ein Problem (sofern sich das Personalpronomen "es" auf das Problem bezieht) nicht "hart", sondern "ist", wennschon, "hart".  

Warum also "klingt" die adverbiale Präpositionalphrase "selbst für ein Volk von Teufeln auflösbar" so "hart"? Weil sie eben eine unbarmherzig zwingende, ja geradezu unmenschliche Wirksamkeit impliziert! Womit wir beim Superstaat wären. Ein "guter Bürger" ist bei Kant noch lange nicht gleichzusetzen mit einem guten Menschen, sondern er zeichnet sich vor allem durch Gehorsam gegenüber seinem Herren aus. 
Kant profitierte von der Regentschaft Friedrichs des Großen.
Feudalherrschaften lassen sonst keine Diskursöffentlichkeit zu. Der große Fritz aber sagte: "Räsoniert, soviel ihr wollt, nur gehorcht." Kant akzeptierte das als Fortschritt und schlug einen doppelten Gebrauch der Vernunft vor: "öffentlich" braucht die Vernunft freien Auslauf, "privat" bleibt sie gebunden - wobei Kant als "privaten Vernunftgebrauch" bezeichnet, was wir in dem uns anvertrauten bürgerlichen Posten denken und äußern dürfen.
- Ursula Homann
Kant wurde posthum übrigens eine schizoide Persönlichkeitsstörung attestiert, die "gekennzeichnet ist durch:
  • Distanziertheit, d.h. in sozialen Beziehung verhält sie sich häufig distanziert und möchte am liebsten in Ruhe gelassen werden,
  • sie neigen daher eher dazu, Kontakte zu anderen zu vermeiden und beschäftigen sich lieber mit sich selbst,
  • sie ziehen sich häufig zurück und leben isoliert,
  • die Bandbreite ihres Gefühlsausdrucks in sozialen Interaktionen ist beschränkt.
Personen mit einer schizoiden Persönlichkeit sind oft extreme Einzelgänger, die keine Freude an engen Beziehungen haben. Sie werden häufig als kühl und unnahbar erlebt. Somit liegt ihre größte Beeinträchtigung im Bereich des zwischenmenschlichen."
Auch das ist ein starker Hinweis für Kants misanthropische Grundeinstellung, die absolut kein Problem mit einem übermächtigen Superstaat hat. Er hätte sich wohl in seinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt, wie perfekt seine Dystopie heute bereits in China umgesetzt wird! Wird dieses Menschenbild aber der Realität gerecht? Kriminalität ist eine Definitionsfrage, genauso wie Krankheit. Die Hauptursache für Kriminalität ist nicht angeborene Bosheit, sondern Armut, bzw. mangelnde Erziehung in menschlichen Werten. Armut ist eine der schlimmsten Formen von Gewalt. Steigere die Ungleichheit und die Armut, dann steigert sich die Kriminalität automatisch.

Die Umwelt wird ganz einfach krank definiert, ebenso die Menschen. Es gibt in Wahrheit weder einen menschengemachten Klimawandel, noch ein Ressourcenproblem. Die Verfügbarkeit von Ressourcen ist einzig und allein eine Frage des Energiepreises - und genau der wird künstlich in die Höhe getrieben, denn in einer monopolisierten Wirtschaft wird Profit nicht durch Mehrproduktion und Verbilligung, sondern durch künstliche Verknappung erwitschaftet, die sich hinter Verboten (s. u.a. das Hanfverbot, der schnellstwachsenden, chemiefreien Faser-Ressource überhaupt) und absichtlichen Fehlentwicklungen (Windkraft) versteckt. Eine gesunde, dynamische Gesellschaft, die nicht immer neue, grundlegendere, preiswertere Ressourcen erschließen kann, ist zur Stagnation und damit zum Untergang verdammt. Neben dem quantitativ-begrenzten Wachstum gibt es noch das qualitativ-unbegrenzte Wachstum, das sich in einem universalen Prinzip der Höherentwicklung offenbart: Effizienzsteigerung durch Verdichtung. Darunter fallen alle Hochtechnologien, wie Mikronisierung und Energieverdichtung, aber auch effiziente Transport- und Unterbringungstechnologien. Der umfassendste Parameter, der all das zusammenfasst, ist - laut dem Universalgelehrten Lyndon LaRouche - die Bevölkerungsdichte, bzw. das Bevölkerungsdichtepotenzial. Nur eine gesunde, sich entwickelnde Gesellschaft hat ein großes Potenzial. In seinem vielfach übersetzten und damaligem Millionen-Bestseller "Die Grenzen des Wachstums" von 1972 hat der NATO-Think-Tank "Club of Rome" diese Unterscheidung zwischen horizontalem und vertikalem Wachstum einfach unterschlagen und auf dieser Basis ein Horrorszenario entworfen, das zugleich der Startschuss für die "grüne Bewegung" der Hochfinanz war (nein, die ersten Grünen waren keine Hausfrauen, die sich Sorgen um ihre Kinder machten, im Gegenteil: damals waren diese noch stolz, wenn der Sohnemann Pilot oder Raketenkonstrukteur werden wollte!).

Nein, der Mensch ist kein "Parasit", bzw. "unnützer Esser" (Zitat HRH Prince Philip), sondern von Grund auf gut, wie der große Deutsche Friedrich von Schiller erklärte. Auf seiner Entwicklung hin zum mündigen, souveränen Bürger macht er natürlich kleinere und größere Fehler, aber diese können überwunden und korrigiert werden. Schiller lehrte das genaue Gegenteil von Kant, auch wenn er mit Kant als "Aufklärer" gerne in einen Topf geworfen wird. Er bezeichnete engstirnige Formalisten wie Kant scherzhaft als "Brotgelehrte" (vgl. seine Jeaner Antrittsrede als Geschichtsprofessor, für die er stehende Ovationen erntete in einem völlig überfüllten Hörsaal).
"Schillers Denkweise läßt uns immer den "philosophischen Kopf" erkennen, der bestrebt ist, das untersuchte "Gebiet zu erweitern", der weiß, daß "nur der abstrahierende Verstand ... jene Grenzen" in der Wissenschaft "gemacht hat" und dessen "edle Ungeduld ... nicht ruhen kann, bis alle seine Begriffe zu einem harmonischen Ganzen sich geordnet haben"; ja, der sein einmal errichtetes Ideengebäude "selbst zertrümmert", um es "vollkommener wiederherzustellen". Wir erleben bei Schiller immer einen Gedankenprozeß und werden selbst zum Weiterdenken angeregt.
Kant erweckt durch einen komplizierten und trockenen Vortrag den Eindruck einer alles berücksichtigenden, tiefen Betrachtung, welche das eigene Wissen immer selbstkritisch durchleuchtet. Schaut man genauer hin, so entpuppen sich die tiefen Urteile leider allzuoft als unhaltbare Vorurteile, und viele der tiefsinnig kompliziert klingenden Sätze werden, wenn man sich endlich klar gemacht hat, was sie denn sollen, zu ärmlichen Belanglosigkeiten. Für Kants Denkweise ist ein formalistischer, bisweilen pedantischer Zug typisch. Ich muß zugeben, daß ich mich beim Lesen von Kant oft ungut fühle, weil mein Denken nicht, wie bei Schiller, angeregt wird, sondern im Gegenteil in Denkschablonen gepreßt, eingeengt und manipuliert wird. Die berühmten "Kantschen Antinomien" sind ein Beispiel einer derartigen Manipulation, eine Argumentationskette, die wirklicher Wahrheitsfindung widerspricht."
- Ralf Schauerhammer, Neue Solidarität 27/2003

Nach Kant ist der Egoismus die treibende Kraft hinter der Gesellschaft, nach Schiller die selbstlose elterliche Liebe. Pessimismus (Undankbarkeit) oder Optimismus (Dankbarkeit)? Halb leer oder halb voll? Jeder Mensch fühlt sich - gemäß seiner eigenen Traumatisierung durch das Elternhaus - unwillkürlich zu einer dieser diametralen Sichtweisen hingezogen.

Schillers Menschenbild


(Auszug aus "Etwas über die erste Menschengesellschaft nach dem Leitfaden der Mosaischen Urkunde / Übergang der Menschen zur Freiheit und Humanität")
"An dem Leitbande des Instinkts, woran sie noch jetzt das vernunftlose Tier leitet, mußte die Vorsehung den Menschen in das Leben einführen und, da seine Vernunft noch unentwickelt war, gleich einer wachsamen Amme hinter ihm stehen. Durch Hunger und Durst zeigte sich ihm das Bedürfnis der Nahrung an, was er zur Befriedigung desselben brauchte, hatte sie in reichlichem Vorrat um ihn herum gelegt, und durch Geruch und Geschmack leitete sie ihn im Wählen. Durch ein sanftes Klima hatte sie seine Nacktheit geschont und durch einen allgemeinen Frieden um ihn her sein wehrloses Leben gesichert. Für die Erhaltung seiner Gattung war durch den Geschlechtstrieb gesorgt. Als Pflanze und Tier war der Mensch also vollendet. Auch seine Vernunft hatte schon von fern angefangen, sich zu entfalten. Weil nämlich die Natur noch für ihn dachte, sorgte und handelte, so konnten sich seine Kräfte desto leichter und ungehinderter auf die ruhige Anschauung richten, seine Vernunft, noch von keiner Sorge zerstreut, konnte ungestört an ihrem Werkzeug, der Sprache, bauen und das zarte Gedankenspiel stimmen. Mit dem Auge eines Glücklichen sah er jetzt noch herum in der Schöpfung; sein frohes Gemüt faßte alle Erscheinungen uneigennützig und rein auf und legte sie rein und lauter in einem regen Gedächtnis nieder. Sanft und lachend war also der Anfang des Menschen, und dies mußte sein, wenn er sich zu dem Kampfe stärken sollte, der ihm bevorstand.
Setzen wir also, die Vorsehung wäre auf dieser Stufe mit ihm stillgestanden, so wäre aus dem Menschen das glücklichste und geistreichste Tier geworden - aber aus der Vormundschaft des Naturtriebs wäre er niemals getreten, frei und also moralisch wären seine Handlungen niemals geworden, über die Grenzen der Tierheit wäre er niemals gestiegen. In einer wollüstigen Ruhe hätte er eine ewige Kindheit verlebt - und der Kreis, in welchem er sich bewegt hätte, wäre der kleinstmöglichste gewesen, von der Begierde zum Genuß, vom Genuß zur Ruhe und von der Ruhe wieder zur Begierde.
Aber der Mensch war zu ganz etwas anderem bestimmt, und die Kräfte, die in ihm lagen, riefen ihn zu einer ganz andern Glückseligkeit. Was die Natur in seiner Wiegenzeit für ihn übernommen hatte, sollte er jetzt selbst für sich übernehmen, sobald er mündig war. Er selbst sollte der Schöpfer seiner Glückseligkeit werden, und nur der Anteil, den er daran hätte, sollte den Grad dieser Glückseligkeit bestimmen. Er sollte den Stand der Unschuld, den er jetzt verlor, wieder aufsuchen lernen durch seine Vernunft und als ein freier vernünftiger Geist dahin zurückkommen, wovon er als Pflanze und als eine Kreatur des Instinkts ausgegangen war; aus einem Paradies der Unwissenheit und Knechtschaft sollte er sich, wäre es auch nach späten Jahrtausenden, zu einem Paradies der Erkenntnis und der Freiheit hinaufarbeiten, einem solchen nämlich, wo er dem moralischen Gesetz in seiner Brust ebenso unwandelbar gehorchen würde, als er anfangs dem Instinkt gedient hatte, als die Pflanzen und Tiere diesem noch heute dienen. Was war also unvermeidlich? Was mußte geschehen, wenn er diesem weitgesteckten Ziel entgegenrücken sollte? Sobald seine Vernunft ihre ersten Kräfte nur geprüft hatte, verstieß ihn die Natur aus ihren pflegenden Armen, oder richtiger gesagt, er selbst, von einem Trieb gereizt, den er selbst noch nicht kannte, und unwissend, was er in diesem Augenblick Großes tat, er selbst riß ab von dem leitenden Bande, und mit seiner noch schwachen Vernunft, von dem Instinkte nur von ferne begleitet, warf er sich in das wilde Spiel des Lebens, machte er sich auf den gefährlichen Weg zur moralischen Freiheit. Wenn wir also jene Stimme Gottes in Eden, die ihm den Baum der Erkenntnis verbot, in eine Stimme seines Instinktes verwandeln, der ihn von diesem Baum zurückzog, so ist sein vermeintlicher Ungehorsam gegen jenes göttliche Gebot nichts anders als - ein Abfall von seinem Instinkte - also erste Äußerung seiner Selbsttätigkeit, erstes Wagestück seiner Vernunft, erster Anfang seines moralischen Daseins. Dieser Abfall des Menschen vom Instinkte, der das moralische Übel zwar in die Schöpfung brachte, aber nur um das moralische Gute darin möglich zu machen, ist ohne Widerspruch die glücklichste und größte Begebenheit in der Menschengeschichte, von diesem Augenblick her schreibt sich seine Freiheit, hier wurde zu seiner Moralität der erste entfernte Grundstein gelegt..."

Kants Menschenbild


Ralf Schauerhammer beschreibt in seinem brillantem Artikel das Kantsche Menschenbild, wie es auch von heutigen Politikern 1:1 vertreten wird, insbesondere von den Grüninnen: Der Mensch als "zu intelligent geratenes Tier":
Kant teilt die Entwicklung in vier Schritte ein, welche die Vernunft des Menschen macht, und ordnet diesen Schritten Bibelstellen zu. Warum gerade vier Schritte, und warum diese, erklärt er nicht. Im ersten Schritt, den die Vernunft über den Instinkt hinausgeht, erweitert sie die Grenzen der Nahrungsaufnahme über den Instinkt hinaus. Das ist für Kant nicht eine Befreiung und qualitative Veränderung des Menschen, sondern eine durchaus problematische Sache, und sofort entspringt diesem ersten Vernunftgebrauch der Mißbrauch.
    "Solange der unerfahrene Mensch diesem Ruf der Natur gehorchte, so befand er sich gut dabei. Allein die Vernunft fing bald an sich zu regen, und suchte. .. seine Kenntnis der Nahrungsmittel über die Schranken des Instinkts zu erweitern... Allein, es ist eine Eigenschaft der Vernunft, daß sie Begierden mit Beihülfe der Einbildungskraft, nicht allein ohne einen darauf gerichteten Naturtrieb, sondern sogar wider denselben, erkünsteln kann, welche im Anfange den Namen der Lüsternheit bekommen, wodurch aber nach und nach ein ganzer Schwarm entbehrlicher, ja sogar naturwidriger Neigungen, und der Benennung der Üppigkeit, ausgeheckt wird."
Wenn man es so sieht, möchte man sich über die neue Vernunftfreiheit gar nicht freuen, liegt es doch in der "Eigenschaft der Vernunft", daß sie sofort alle möglichen "naturwidrigen Neigungen" erzeugt, von denen das tierische Wesen verschont bleibt.
Und so erklärt Kant in seiner "Anmerkung" zu der Schrift den Sündenfall zwar wie auch Schiller als "Übergang aus der Vormundschaft der Natur in den Stand der Freiheit", aber dieser "erste Schritt" war für Kant ein "Fall" und "eine Menge nie gekannter Übel des Lebens die Folge dieses Falls". Das ist die gerechte Strafe für diesen Fall. Kants Begründung: "Die Geschichte der Natur fängt also vom Guten an, denn sie ist das Werk Gottes; die Geschichte der Freiheit vom Bösen, denn sie ist Menschenwerk." Schiller spielt in seiner Schrift auf diese Sichtweise in offensichtlicher Ironie an, wenn er sagt, daß wohl ein "Volklehrer" bei diesem Schritt von einem "Fall" sprechen könne, "aber der Philosoph" müsse "der menschlichen Natur zu diesem wichtigen Schritt zur Vollkommenheit Glück wünschen".
Der Mensch ist von Natur aus böse. Er tut das Gute nicht aus Neigung, sondern aus Sympathie und Ehre.“
- I. Kant: Reflexionen zur Anthropologie, 1425. AA XV, Seite 622, 9f
Der Mensch ist ein Tier, das, wenn es unter andern seiner Gattung lebt, einen Herrn nötig hat. Denn er missbraucht gewiss seine Freiheit in Ansehung anderer seinesgleichen; und ob er gleich als vernünftiges Geschöpf ein Gesetz wünscht, welches der Freiheit Aller Schranken setze: so verleitet ihn doch seine selbstsüchtige tierische Neigung, wo er darf, sich selbst auszunehmen.“
- I. Kant: Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, 1784. Sechster Satz   
Kants Stärke waren nicht Mitgefühl oder Menschlichkeit, sondern das Kategoriseren, das auch vor den menschlichen Rassen nicht Halt machte:
"Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Race der Weißen. Die gelben Indianer haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind weit tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften. [...] Die Negers von Afrika haben von der Natur kein Gefühl, welches über das Läppische stiege."
- Kant AA IX, Von den verschiedenen Rassen


"Wir treffen hier auf einen grundlegenden Gegensatz. Wer einen Staat will, in dem ein kleine Oligarchie die Mehrheit beherrscht, der muß davon ausgehen, daß der Mensch schlecht ist, um zu rechtfertigen, daß er die Mehrheit durch Gesetze und Zwang (wie subtil und "modern" er auch sein mag) unterdrückt, während die Vertreter eines freien Staates immer vom guten, verbesserungsfähigen Menschen ausgehen und ihre Hauptaufgabe darin sehen, möglichst viele Mitmenschen zu verantwortlichen Staatsbürgern zu erziehen.... Der Unterschied der Denkweise und des Menschenbildes von Kant und Schiller [ist] keine theoretische Frage, sondern eine Frage der praktischen Politik." - R. S. a.a.O.

Das Perfide ist, dass man die Umwelt absichtlich verkommen lässt und echte Lösungen verhindert, um die Menschen moralisch mürbe zu machen, ihnen ihre Schlechtigkeit und Unfähigkeit einzureden! Geniale Lösungen zur Plastikbeseitigung in allen Weltmeeren bekommen schlichtweg nicht die Unterstützung, die sie angesichts der Anti-Plastik-Kampagne logischerweise erhalten müssten, obwohl sie schon ausgereift und in kleinem Maßstab bereits im Einsatz sind. Es würde eine Aufbruchsstimmung erzeugen und die immer massiveren Einschränkungen hinterfragen. Die Grüne Bewegung ist eine Kunstbewegung, erkennbar daran, dass sie gerade solche Initiativen ignoriert und immer nur neue Auflagen und Einschränkungen fordert. Sie war von Anfang an die Speerspitze der Verknappungsindustrie. Umweltschutz müdet in der Ökodiktatur:
    “Wir haben erkannt, daß eine Loslösung des Menschen aus der Natur, aus dem Lebensganzen zu seiner Vernichtung... führt. Nur durch Wiedereingliederung des Menschen in das Naturganze kann [der Mensch] zum Erstarken gebracht werden. Das ist der tiefste Sinn der biologischen Aufgabe der Gegenwart. Nicht der Mensch allein steht mehr im Mittelpunkt des Denkens, sondern das Leben als Ganzes, wie es sich in allen Lebewesen auf der Erde offenbart. Dabei wir kein einsichtiger Biologe die Bedeutung all dessen übersehen, was den Menschen über die übrigen Organismen hinaushebt. Dieses Streben nach Verbundenheit mit dem Gesamtleben, ja mit der Natur überhaupt, in die wir hineingeboren sind, das ist aber, soviel ich sehe, der tiefste Sinn und das eigentliche Wesen nationalsozialistischen Denkens.”
"Oh, pardon! Da haben wir im Tagebuch der “grünen Bewegung” anscheinend einige Seiten zu weit zurückgeblättert. Das Zitat stammt nämlich aus dem Buch "Biologischer Wille, Wege und Ziele biologischer Arbeit im neuen Reich" aus dem Jahre 1934. Der Verfasser ist Ernst Lehmann, der die “Aufgabe der Biologie” damals darin sah, für die Beseitigung der “Gefahren der Rassenmischung neue Waffen zu schmieden”. Vertreter der “grünen Bewegung” von heute hätten es nicht besser sagen können. Sie hätten vielmehr auch noch den Hinweis “was den Menschen über die übrigen Organismen hinaushebt” weggelassen." (Entnommen aus: Sackgasse Ökostaat)
Auch das folgende Zitat bekommt in diesem Zusammenhang eine beklemmende Zweideutigkeit:
“Eine gute Entwicklung ist nur möglich, wenn wir die Gegensätze nicht nur zwischen den Völkern abbauen, sondern auch zwischen Mensch und Natur. Eine friedliche Zukunft der Menschheit wird nur gesichert sein, wenn wir auch den Frieden mit der Natur finden.” (Helmut Kohl)

Dann gibt es - last not least - auch das "libertäre Modell" einer Gesellschaftsordnung, das ganz ohne Staat auszukommen meint. Unabhängig davon, dass eine staatliche Struktur grundsätzlich nur ein Ausdruck eines höherentwickelten "Sozialen Organismus" darstellt, muss sich dieses Modell aber genauso an seinem Menschenbild messen lassen, denn dieses war es zu allen Zeiten, welches die Staatsform begründete (der Kant/Schillersche Gegensatz spiegelte sich z.B. auch in der Rivalität zwischen Sparta und Athen wider).

Letztlich führt kein Weg an der spirituellen Höherentwicklung des Menschen vorbei! 
"Die politisch-ökologische Krise unserer Zeit eine psycho-kosmologische Krise. Wir sind in Wahrheit kosmische Wesen und vom Kosmos 'gemeint'." 
- Jochen Kirchhoff


Das negative Menschenbild drückt sich - wen wundert's? - auch in einer negativen Kosmologie aus! Schon Oswald Spengler erklärte in seiner Monumentalkritik "Der Untergang des Abendlandes" die allmähliche Entstehung der bedrückenden Vorstellung von der Leere des Weltalls, die den antiken Völkern noch völlig fremd war. Die außen wahr-genommene Leere , die "Welt als Guckkasten" sei Ausdruck eines "faustischen Lebensgefühls der Leere" gemäß der Entsprechung Weltbild = Menschenbild = Gottesbild!


Hans Sedlmayr beschreibt in seinem Monumentalwerk "Verlust der Mitte" den stetigen Verfall der Kultur seit der französischen Revolution, der sich am deutlichsten in der Kunst und dort in der Malerei zeigt. Die Mitte steht für das Sakrale. Eine einfach verortbare "Mittelpunkt der Welt" wäre laut dem christlich geprägten Schamanen Black Elk (Schwarzer Hirsch) zugleich der Ursprung, also der Sitz des Schöpfers.

Albert Einstein, der noch heute - nach 100 Jahren - der heranwachsenden Generation (völlig zu Unrecht!) als "größtes Genie der Neuzeit" präsentiert wird, wurde nach der wichtigsten philosophischen Frage gefragt, die sich ein Mensch stellen könne. Seine Antwort war: "Ist das Universum ein freundlicher Ort?" Damit bestätigte er den o.g. Zusammenhang von Menschenbild und Weltbild. Und ja, auch die herrschende, dystopische Kosmologie ist - wie das Menschenbild - ebenfalls nicht "alternativlos"! Es gibt ein vollwertiges, physikalisch vollkommen logisches Modell, das sogar mit den antiken Vorstellungen vom "kosmische Ei" kompatibel ist: die Zellularkosmologie.

Sonntag, 20. Dezember 2015

Kritik am Menschenbild des Libertarismus

Es gibt viele Kritkpunkte am theoretischen Gesellschaftsmodell des Libertarismus. Die meisten beziehen sich auf soziale Regelungsfragen. Aber jede Gesellschaftsform basiert auf einem Menschenbild. Ohne Kenntnis der wahren Natur des Menschen kann keine Aussage zu seinem wahren Freiheitsgrad gemacht werden. Das Menschenbild des Libertarismus ist nicht definiert, bzw. macht auf halbem Wege halt. Zur Vervollständigung bedarf es sowohl der Moral im Sinne Friedrich Schillers (vgl. "Vom Erhabenen"), als auch der unparteiischen übermenschlichen Gerechtigkeit (vgl. Scharia).


Auf die Füße kommt unsere Welt erst wieder,
wenn sie sich beibringen läßt,
daß ihr Heil nicht in Maßnahmen,
sondern in neuen Gesinnungen besteht.

- Albert Schweitzer

Libertarismus oder Liberalismus? 


"Es gibt unter libertären Denkern solche, die sich dem klassisch liberalen Spektrum zuordnen, und es gibt eine anarchokapitalistische Fraktion. Beide haben Gemeinsamkeiten, aber auch große Unterschiede. Die meisten liberalen Denker wie z.B. Ludwig von Mises oder Friedrich August von Hayek haben sich klar gegen den Anarchismus ausgesprochen ... Wenn Libertäre dem klassisch liberalen Spektrum gehören, sollten sie sich als solche bezeichnen. Wenn sie Anarchisten sind, sollten sie sich eben als Anarchisten bezeichnen. Warum beides mit dem Label “libertär” vermischen?"
- Arpin (liberaler Atheist)

Heutige Libertarier grenzen sich von Liberalen deutlich ab, ohne sich zur Anarchie zu bekennen. Am besten trifft die Kategorisierung unter "Anarchokapitalismus" zu. Libertarier sehen im staatlichen Gewalt- und Geldmonopol den eigentlichen Grund für die Unterdrückung der Menschheit, das letzte Hindernis, das noch abgeschaft werden müsse, damit alle Menschen gleichberechtigt in den Genuss des technologischen Fortschritts gelangen könnten. Sie fordern deshalb die staatenlose, hierarchielose (anarchische) Gesellschaft. Ohne staatlichen Schutz (z.B. Patentrecht und Copyright) könnte jede Marktführerschaft eines Einzelunternehmens gebrochen werden, sobald es sich lohnen würde, wird behauptet.



Die ideale Gesellschaftsform


Grundsätzlich jedoch kann ein hinreichend komplexes System oder Organismus nur hierarchisch funktionieren. Vergleiche den menschlichen Körper mit einer Amöbe oder eine Dorf von Pfahlbauern mit der heutigen hochtechnisierten Zivilisation. Das Problem der ungerechten Wohlstandsverteilung entsteht nicht durch fehlerhafte oder übertriebene Organisationfsorm, sondern durch spirituelle Unwissenheit (insb. über die menschliche Natur). Ob ein gemeinwohlorientierter Staat durch Interessengruppen von innen unterhöhlt und zweckentfremdet wird, oder ob genügend starke Interessengruppen einer anarchischen Gesellschaft eine "Pseudoregierung" bilden und von innen aushöhlen, um so ihre Macht zu sichern, bleibt im Ergebnis dasselbe:

Es gibt keine Gesellschaftsform, die gegen Missbrauch schützt.


Der Libertarismus erinnert an die antiautoritäre "Laissez-faire"-Erziehung. Dieses Experiment ist in die Hose gegangen. Man weiß heute: Kinder brauchen Disziplin, ja sie habe Anspruch drauf. Sie wollen nicht alle Entscheidungen selbst treffen müssen, sondern ihre Kindheit ausleben dürfen. Grenze ist immer auch Kontakt. An Grenzschichten findet Austausch, Transformation, Wachstum und Leben statt. Obwohl Kinder von Grund auf gut sind, so bedarf es der Führung (Erziehung) durch die selbstlosen Eltern.

Die Kritik am heutigen Staat und an der Staatsform ist berechtigt. Aber die Lösung durch Abschaffung des Nationalstaates arbeitet nur dem NWO-Kommunismus in die Hände ("Imagine, no countries, no possession, no religion").

Keine Höherentwicklung ohne  Staatsapparat. 

Der Libertarismus teilt das illuminiert-dystopische Paradigma, ohne sich dessen bewusst zu sein: Die negative Identität. Verneinung, statt Bejahung. Gegen den Staat und somit gegen systemische Höherentwicklung. Statt dem fehlerhaften Inhalt (Spiritualität) wird die fehlerhafte Organisationsform (hierarchische Gesellschaft) kritisiert. Der souveräne Staat hat jedoch dieselbe Bedeutung und Existenzberechtigung, wie der souveräne Bürger, nur eben auf der nächsthöheren, kollektiven Ebene. Ein freiwilliger Staatenbund, statt ein gleichmacherischer Bundesstaat (EU, USA) würde Frieden und Wohlergehen für alle sichern. Man muss auf Staatsebene das Rad nicht neu erfinden, sondern braucht doch einfach nur von der kleinsten Einheit der Gesellschaft, der Familie auszugehen. Die elterliche Liebe, die selbstlose Sorge um ein Drittes (die Kinder) ist - mit Friedrich Schiller - die treibende Kraft hinter der Gesellschaft, und nicht etwa - mit Immanuel Kant - der egoistische Wettbewerb, der Wunsch, über andere herrschen zu wollen. 

Um die spirituelle Krise zu überwinden, sollte, statt den Wettbewerb zu liberalisieren, die Erkenntnis der Natur des Menschen gefördert werden, die sich in Mitgefühl gegenüber dem Nächsten und der Schöpfung äußert.


Zwei diametrale Menschenbilder


Das Menschenbild ist entscheidend für die Wahl der Staatsform. Ist der Mensch von Grund auf gut oder von Grund auf böse? Kant vertrat letztere These und forderte den Super-Staat (dessen beispielhafte Ausformung die "Vereinigten Staaten von Europa" wären). Schiller dagegen sah in den Fehlschlägen der menschlichen Geschichte den Ausdruck einer selbstverantwortlichen, allmählich-organischen Höherentwicklung. Der Artikel "Schiller vs. Kant oder Souveränität vs. Kontrolle" zeigt, dass der Konflikt der zwei Menschenbilder zeitlos ist.

Der Menschheit wurde in regelmäßigen Abständen, sowie adaptiert an den jeweiligen kulturellen Kontext, die unveränderliche Wahrheit offenbart durch spirituelle Lehrer und soziale Reformer.  Was wir derzeit an Chaos erleben, wurde von den biblischen "Söhnen des Ungehorsams" (unverantwortliche Führungselite) initiert und von den "Kindern des Zorns" (verführte Volksmassen) ausagiert.


Oliver Janich schreibt über sein vielbeachtetes Buch "Die Vereinigten Staaten von Europa":
"Um die Thesen dieses Buches zu widerlegen, müssten Sie die Natur des Menschen leugnen, von zwei Zuständen denjenigen zu bevorzugen, der seine subjektiven Bedürfnisse besser befriedigt. Das gilt sowohl für meine Ausführungen zur Privatrechtsordnung, mit denen ich beginnen werde, als auch für meine Analyse der Machtelite."
- Oliverjanich.de


Doch diese vermeintlich "unüberwindbare Brüstung" entpuppt sich m.E. als strukturelle Schwäche im Lehrgebäude des Libertarismus: Der Mensch ist ein Zwitterwesen, das aus einer niederen (lust- und befriedigungsorientierten) und einer höheren (liebes- und opfer-, bzw. wachstumsorientierten) Natur besteht. Der Libertarismus lässt dabei aber undefiniert, ob sich das "subjektive Bedürfnis" naturgemäß eher nach unten oder eher nach oben orientiert. Kinder haben, wie oben bereits dargelegt, ein Recht auf Disziplin, sie fordern sie geradezu ein durch ihre natürliche Aufmüpfigkeit! Analog müsste man das Individuum und den Staat als Kind-Eltern-Verhältnis betrachten. Und das ist gar nicht mal abwegig, denn Menschen mit einem gespaltenen Verhältnis zum Vater haben meist auch ein gespanntes Verhältnis zur staatlichen Autorität. Wenn aber der menschlichen Natur und der Notwendigkeit ihrer "widernatürlichen" Veredelung nicht Rechnung getragen, reduziert sich das "subjektive Bedürfnis" auf den niederen, bedürfnis- und triebgesteuerten Aspekt. Damit würde sich der Libertarismus ironischerweise aber auf die Stufe des Superstaat-Verfechters Immanuel Kant stellen, bzw. auf die jener "Machtelite", die er so kritisiert.
"Die weltlichen Wesen behaupten, dieses Universum sei ohne Wahrheit, ohne Grundlage, ohne Gott, sondern rein aus der sexuellen Vereinigung entstanden, und pure Lust sei seine einzige Ursache."- Bhagavad Gita, 16:8
Interessant ist die Beobachtung, dass der Begriff "Lust" seit etwa zwei Jahrzehnten immer mehr Raum in unserer total erotisierten Spaßgesellschaft einnimmt und das Wort "Liebe" inflationär entwertet wird ("Ich liebe es").

In seiner Abhandlung "Vom Erhabenen" bestätigt Schiller zunächst das höchste Prinzip des Libertarismus:
»Kein Mensch muß müssen,« sagt der Jude Nathan zum Derwisch, und dieses Wort ist in einem weitern Umfange wahr, als man demselben vielleicht einräumen möchte. Der Wille ist der Geschlechtscharakter des Menschen, und die Vernunft selbst ist nur die ewige Regel desselben. Vernünftig handelt die ganze Natur; sein Prärogativ ist bloß, daß er mit Bewußtsein und Willen vernünftig handelt. Alle andern Dinge müssen; der Mensch ist das Wesen, welches will.
Eben deßwegen ist des Menschen nichts so unwürdig, als Gewalt zu erleiden, denn Gewalt hebt ihn auf. Wer sie uns anthut, macht uns nichts Geringeres als die Menschheit streitig; wer sie feiger Weise erleidet, wirft seine Menschheit hinweg. Aber dieser Anspruch auf absolute Befreiung von allem, was Gewalt ist, scheint ein Wesen vorauszusetzen, welches Macht genug besitzt, jede andere Macht von sich abzutreiben. Findet er sich in einem Wesen, welches im Reich der Kräfte nicht den obersten Rang behauptet, so entsteht daraus ein unglücklicher Widerspruch zwischen dem Trieb und dem Vermögen.

Freiwillige Unterwerfung


Wie man erkennen kann, wurde dieses Prinzip von den Libertariern gar nicht neu gedacht, sondern es wird nur einen Aspekt der menschlichen Natur beleuchtet (das natürliche Bedürfnis nach Freiheit von Zwängen), der hier überbetont und isoliert wird. Im Folgenden beweist Schiller, dass allein schon die Tatsache der unausweichlichen Gewalterleidung durch den Tod den Menschen zur freiwilligen Unterwerfung zwingt. 
In diesem Falle befindet sich der Mensch. Umgeben von zahllosen Kräften, die alle ihm überlegen sind und den Meister über ihn spielen, macht er durch seine Natur Anspruch, von keiner Gewalt zu erleiden. Durch seinen Verstand zwar steigert er künstlicher Weise seine natürlichen Kräfte, und bis auf einen gewissen Punkt gelingt es ihm wirklich, physisch über alles Physische Herr zu werden. Gegen alles, sagt das Sprüchwort, gibt es Mittel, nur nicht gegen den Tod. Aber diese einzige Ausnahme, wenn sie das wirklich im strengsten Sinne ist, würde den ganzen Begriff des Menschen aufheben. Nimmermehr kann er das Wesen sein, welches will, wenn es auch nur einen Fall gibt, wo er schlechterdings muß, was er nicht will. Dieses einzige Schreckliche, was er nur muß und nicht will, wird wie ein Gespenst ihn begleiten und ihn, wie auch wirklich bei den mehresten Menschen der Fall ist, den blinden Schrecknissen der Phantasie zur Beute überliefern; seine gerühmte Freiheit ist absolut nichts, wenn er auch nur in einem einzigen Punkte gebunden ist. Die Kultur soll den Menschen in Freiheit setzen und ihm dazu behilflich sein, seinen ganzen Begriff zu erfüllen. Sie soll ihn also fähig machen, seinen Willen zu behaupten, denn der Mensch ist das Wesen, welches will.
Dies ist auf zweierlei Weise möglich. Entweder realistisch, wenn der Mensch der Gewalt Gewalt entgegensetzt, wenn er als Natur die Natur beherrschet; oder idealistisch, wenn er aus der Natur heraus tritt und so, in Rücksicht auf sich, den Begriff der Gewalt vernichtet. Was ihm zu dem ersten verhilft, heißt physische Kultur. Der Mensch bildet seinen Verstand und seine sinnlichen Kräfte aus, um die Naturkräfte, nach ihren eigenen Gesetzen, entweder zu Werkzeugen seines Willens zu machen, oder sich vor ihren Wirkungen, die er nicht lenken kann, in Sicherheit zu setzen. Aber die Kräfte der Natur lassen sich nur bis auf einen gewissen Punkt beherrschen oder abwehren; über diesen Punkt hinaus entziehen sie sich der Macht des Menschen und unterwerfen ihn der ihrigen.
Jetzt also wäre es um seine Freiheit gethan, wenn er keiner andern als physischen Kultur fähig wäre. Er soll aber ohne Ausnahme Mensch sein, also in keinem Fall etwas gegen seinen Willen erleiden. Kann er also den physischen Kräften keine verhältnißmäßige physische Kraft mehr entgegensetzen, so bleibt ihm, um keine Gewalt zu erleiden, nichts anders übrig, als: ein Verhältniß, welches ihm so nachtheilig ist, ganz und gar aufzuheben und eine Gewalt, die er der That nach erleiden muß, dem Begriff nach zu vernichten. Eine Gewalt dem Begriffe nach vernichten, heißt aber nichts anders, als sich derselben freiwillig unterwerfen.
Und dann schließt Schiller den Bogen zur Grundbotschaft aller Religionen: Nur der moralische Mensch ist ganz frei:
Die Kultur, die ihn dazu geschickt macht, heißt die moralische.
Der moralisch gebildete Mensch, und nur dieser, ist ganz frei.

So muss man denn auch die Goetheworte verstehen:
Närrisch, dass jeder in seinem Falle
Seine besondere Meinung preist,
Wenn Islam »gottergeben« heißt!
Im Islam leben und sterben wir alle. 

Islam heißt wörtlich übersetzt: Unterwerfung. War Goethe deshalb strenggläubiger Moslem? Nein; Goethe war Essenzphilosoph. Und in ihrer Essenz sind alle Religionen und Philosophien eins.
"Goethe war - neben Schiller - einer DER freiheitlichsten und freigeistigsten Denker und Dichter seiner Zeit, mit konfessionell verstandenen Religionen hatte er nichts zu tun. Allein die Tatsache, dass Goethe sich immer wieder auf Spinoza berief, zeigt, wie fern er dem Islam und de facto auch dem Christentum war (de iure war und blieb er immer Christ)."
- Blog-Kommentar von "PeBu"

Schiller weiter: Der Mensch muss mit und nicht gegen die Natur handeln:
Entweder er [der Mensch] ist der Natur als Macht überlegen, oder er ist einstimmig mit derselben. Nichts, was sie an ihm ausübt, ist Gewalt, denn eh' es bis zu ihm kommt, ist es schon seine eigene Handlung geworden, und die dynamische Natur erreicht ihn selbst nie, weil er sich von allem, was sie erreichen kann, freithätig scheidet.
Vergleiche dazu die Jesusworte: "Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!" sowie "Ich und der Vater sind eins"! Und weiter erklärt Schiller, dass nicht nur der Verstand gefordert ist, sich dem "göttlichen Rathschluß" zu ergeben, sondern "das ganze Gemüth".
Diese Sinnesart aber, welche die Moral unter dem Begriff der Resignation in die Nothwendigkeit und die Religion unter dem Begriff der Ergebung in den göttlichen Rathschluß lehret, erfordert, wenn sie ein Werk der freien Wahl und Ueberlegung sein soll, schon eine größere Klarheit des Denkens und eine höhere Energie des Willens, als dem Menschen im handelnden Leben eigen zu sein pflegt. Glücklicher Weise aber ist nicht bloß in seiner rationellen Natur eine moralische Anlage, welche durch den Verstand entwickelt werden kann, sondern selbst zu seiner sinnlich vernünftigen, d. h. menschlichen Natur eine ästhetische Tendenz dazu vorhanden, welche durch gewisse, sinnliche Gegenstände geweckt und durch Läuterung seiner Gefühle zu diesem idealistischen Schwung des Gemüths kultiviert werden kann. Von dieser, ihrem Begriff und Wesen nach zwar idealistischen Anlage, die aber auch selbst der Realist in seinem Leben deutlich genug an den Tag legt, obgleich er sie in seinem System nicht zugibt, werde ich gegenwärtig handeln.
Als wenn Schiller insgeheim immer nur Jesus zitieren wollte! Jesu Antwort auf die Frage eines Schriftgelehrten, was das höchste Gebot sei, war:
„Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.
Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“

- Mk 12,29

Es führt auch für den kompromisslosen Libertarier kein Weg daran vorbei, sich mit dem tieferen Sinn des Lebens und der menschlichen Natur zu befassen, sich wieder mit dem Ursprung zu verbinden (lat. "re-ligio").

Solange der Mensch die Augen vor seiner eigenen göttlichen Ebenbildlichkeit und Kindschaft verschließt, versinkt er nur immer tiefer in der selbstverschuldeten spirituellen Krise.



Die Überheblichkeit der Libertarier gegenüber hierarchiegläubigen Diskussionspartnern scheint bis jetzt das einzige "Grenzenlose" zu sein. ;-) Auf der horizontalen Organisationsebene (z.B. durch eine neue Partei der Vernunft) erscheint keine Lösung möglich, denn die "Kantsche Vernunft" klammert die "Schillersche Liebe" aus.

 

Fehlendes Praxisbeispiel


Dem Libertarismus fehlt bis heute ein funktionierendes Praxisbeispiel, welches es wohl auch nie geben wird! Es ist kein Szenario denkbar, wie ein Staatsorganismus zerschlagen werden sollte, ohne dass Chaos entstünde. Der souveräne Nationalstaat entspricht auf einer kollektiven Ebene lediglich dem souveränen Individuum. Kein Bundesstaat, sondern ein Staatenbund souveräner Staaten ist das Ideal für die Förderung des globalen Gemeinwohls.

Gerechtigkeit erfordert übermenschlichen Schiedsrichter 


"Im Islam leben und sterben wir alle" (Goethe). Eine der größten Errungenschaften des Islam ist die erstmalige umfassende Regelung der sozialen Ordnung, die in der Scharia niedergelegt ist.



Scharia bedeutet übersetzt: Weg zur Wasserquelle. In der Wüste hat Wasser einen besonders hohen Wert wegen seiner Knappheit. Nur mit der Scharia kann man einen ganzen Staat aufbauen. Das Strafrecht ist nur ein kleiner Bereich der Scharia. Die fünf Hauptziele der Scharia sind:
  1. Bewahrung der Religion (Identität),
  2. Bewahrung des Lebens (Strafrecht. "Im Zweifel für den Angeklagten" geht auf Kalif Omar zurück),
  3. Bewahrung der geistigen Gesundheit (Verbot von Drogen, Glückspiel usw.),
  4. Bewahrung der Abstammung (keine Beziehung außerhalb der Ehe) und
  5. Bewahrung des Besitzes: u.a. Zinsverbot, nur 2,5% Vermögensteuer. Dieser geringe Prozentsatz erscheint nicht viel, aber wenn heute die reichsten 10% jedes Jahr 5% von ihrem Vermögen abgeben würden, wären die Staatsschulden bald abbezahlt.
Gerechtigkeit ist die Grundlage der menschlichen Gesellschaft. Ohne Gerechtigkeit nützt aller technologische Fortschritt nichts. Das Hauptargument für ein nichtsäkulares Rechtsystem ist seine Unparteilichkeit in der Aufteilung von Rechten und Pflichten. Wer zwischen Frau und Mann rechtsprechen muss, sollte weder Mann noch Frau sein. Der Schiedsrichter sollte logischerweise auch weder Arbeitnehmer, noch Arbeitgeber, weder Bürger noch Regierungsmitglied sein und keiner Nation oder Ethnie angehören. Diese neutrale Person ist auf der Erde praktisch nicht zu finden.

Angesichts dieser umfassenden Weisheit und Fürsorge erscheint der Anspruch des Libertarismus, eine funktionierende Rechtsprechung aus einem undifferenzierten, säkularen Naturrecht aufbauen zu können, recht
lebensfern.

In Brunei wurde die Scharia seit 2014 etappenweise eingeführt, die letzte Ausbaustufe erfolgte 2019. Es gab es einen weltweiten Aufschrei, das Strafrecht sei "zu hart". Aber was ist das Ziel des Strafrechts? Sicherheit und Frieden zu stiften durch Abschreckung. Milde verhindert keine Verbrechen. Und Härte allerdings auch nicht in Ländern, wo die Menschen ein falsches Menschenbild haben und den einzigen Sinn des Lebens in der Lustbefriedigung sehen (vgl. Bhagavad Gita, Kap 16:8) und den Wert eines Menschen ausschließlich an seinem materiellen Reichtum messen. Ein hartes Strafrecht hat den Sinn, Schaden abzuwehren durch Verbrechen gegen andere, aber auch gegen sich selbst. Die saubersten U-Bahnen gibt's in Singapur, weil dort bis zu 1000 $ Strafe demjenigen drohen, der etwas in der U-Bahn isst.



Wahrer Frieden durch wahre Freude


Die Libertarismus-Philosophie ist bezüglich ihrer Definition von Freiheit und Selbstbestimmtheit unvollständig. Die Lösung des "Kapitalismusproblems" (Faschismus) ist kein "Anarcho-Kapitalismus", sondern sie ist nur auf der spirituellen Ebene zu finden. Nur ein ganzheitliches Menschenbild führt die Menschheit aus der Krise. Im Vedischen wird die wahre Natur Gottes und des Menschen als Sat-Chit-Ananda bezeichnet, als Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit. 

Dauerhafte, echte "Glückseligkeit" entspringt immer nur dem Sein und nicht dem materiellen Haben oder Bekommen. 

Erst die Erkenntnis der eigenen Natur verleiht Freude und ist damit die Voraussetzung für inneren und äußeren Frieden, für die Bruderschaft der Menschen. Dieses Menschheitswissen ist zeitlos und universell: 
Der erste Friede - der wichtigste - zieht in die Seele des Menschen ein, wenn er seine Verwandschaft, seine Harmonie mit dem Universum erkennt - in dem Wissen, dass im Mittelpunkt der Welt das große Geheimnis wohnt. Und dass diese Mitte tatsächlich überall ist - in jedem von uns. Dies ist der wirkliche Friede. Alle anderen sind lediglich Spiegelungen davon.
Der zweite Friede ist der, welcher zwischen
einzelnen geschlossen wird. Und der dritte ist der Frieden zwischen den Völkern.
Doch vor allem müsst Ihr verstehen, dass es nie Frieden zwischen Völkern geben kann, wenn nicht der erste Friede vorhanden ist, welcher innerhalb der Seele wohnt.
- Hehaká Sapa (Black Elk), der letzte große (christliche) Schamane vom Stamm der Ogallal-Sioux, Die heilige Pfeife, S. 161

Die berühmteste "Verdichtung" von Freude in Frieden stammt übrigens wieder von Schiller:
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum!
||: Deine Zauber binden wieder,
was die Mode streng geteilt;
alle Menschen werden Brüder,
wo dein sanfter Flügel weilt. :||


- Friedrich Schiller, Ode an die Freude